Am Sonntag Vormittag packte ich meine sachen und genoss noch ein letztes Lunch in meinem Haus, wo mittlerweile wieder alle aus den Ferien zurück waren. Gegen 3 verabschiedete ich mich von allen die in der Community waren und begab mich auf den Weg zum "Pacific Central", der Zugstation. Dort angekommen gab ich mein Gepäck auf und setzte mich in die Vip Lounge der "Silver and Blue" Class. Ich hatte dieses kleine Extra mit der Silver & Blue Class gebucht, um dem Trip die ultimative Sahnehaube aufzusetzen und das tat es auch, was ich in den nächsten drei Tagen erfahren sollte. Im Außembereich der Vip Lounge spielte eine Live Band was mich sehr erfreute, da sie sehr gute Musik spielten. Um 5 Uhr endlich konnte ich in den Zug. Ich ging zu meinem Abteil und begutachtete das für mich noch nicht ersichtliche "Upper Bed" was ich gebucht hatte. Gut 30 Min später kam der Seward meines Wagons zu mir und erklärte mir den Ablauf mit den Mahlzeiten und zeigte mir dann auch, dass mein Bett da war, wo es sein sollte. Um 6 fuhren wir dann los, eine halbe Stunde später wurde das erste mal zum Abendessen gerufen und ich hatte mich auch für den ersten "Call" eingetragen. Also ging ich in den Speisewagen, wo ich mich irgend wie sehr überrascht umschauen musste, um sicher zu gehen, dass ich hier richtig war. Ich landete also in einem 5 Sterne Restaurant auf Rädern. So sah es zumindestens aus, ein Weiterer Pluspunkt der "Silver & Blue" Class. Die Speisekarte gab es sogar auf Deutsch, ich musste aber, um bestellen zu können, auf die Englische schauen. Ich bestellte ein Rinderfilet mit Röstkartoffeln, dazu einen Salat, eine Fischsuppe als Vorspeise und einen Kaffee und ein Stück Torte als Dessert. Die Mitreisenden in dem Zug waren sehr offen, man hatte viele kleine smaltalks und schon nach dem Dinner kannte man eigentlich jeden in der Silver & Blue Class, sodass es wie eine große Fahr mit bekannten war. Jeder redete mit jeden und es war eine sehr sonderbare, aber absolut wundervolle Stimmung im Zug. Die Stimmung blieb auch über die Zugfahrt bis nach Toronto, obwohl zwischenzeitlich Leute ausstiegen und neue dazu kamen. Nun aber zurück zum Essen. Der Speisewagen sah nicht nur nach einem 5 Sterne Restaurant aus, auch das Essen war so. Nach dem Essen erkundete ich ein wenig den Zug und verbrachte schließlich die Dämmerung in einem der "Dome Cars". Dies sind Spezielle Wagons die eine erhöhte Etage haben. Die Decke und die Wände dieser Etagen bestehen aus Glasscheiben, was eine perfekte Aussicht über die Landschaft und den restlichen zug gewährt. In diesen Wagen zu sitzen ist absolut entspannend. Man kann die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen und muss nicht einmal was dafür tun. Als es dunkel wurde leerte sich das "Dome Car" schlagartig und ich beschloss auch in mein Bett zu gehen. Ich kletterte also in mein, mittlerweile von meinem Seward aufgebautes, Bett. Es war zunächst etwas schwierig schlaf zu finden, da der Wagon auf dieser Höhe verstärkt schwankte, aber man gewöhnte sich schnell dran. Der nächste Morgen startete um 8:30 Uhr. Ich begab mich zum Frühstück und genoss Kanadischen Pfannekuchen mit Blaubeeren allerbester Art. Gegen Mittag stoppten wir in Jasper, unserem ersten Stopp, wo mein Schulfreund Georg zugestigen ist, und die Fahrt mit mir genossen hat. Der Zug hatte die Rockies jetzt zum großteil hinter sich gelassen, was ich recht schade fand, da wir sehr tief hängende Wolken hatten und ich so eigentlich nichts von den Rockies gesehen habe. Das Wetter war die ganze Zugfahrt über relativ bewölkt, aber es ergaben sich der eine oder andere Moment, wo die Sonne hervorlugte und man zauberhafte Landschaften genießen und Fotografieren konnte. Die Fahrt über hat der letzte Wagon uns einiges angetan, sodass wir den kompletten Tag über in ihm verbrachten, da er einfach die besten Aussichtsmöglichkeiten bot. natürlich gingen wir zu den Mahlzeiten in den Speisewagon. Am dritten Tag stand ich gegen 4 Uhr lokaler Zeit auf um den Sonnenaufgang mitzuerleben, was mir auch bestens gelang, da der Zug für die idealen 20 Minuten des Sonnenaufgangs einen Zwangsstop einhalten musste und ich so perfekte Fotos machen konnte. Um der zugstrecke weiter zu folgen, verließen wir Jasper und kamen so, richtung Osten fahrend, nach zentral Kanada. Wir durchqueerten Alberta und Saskatchewan, welche sich mit einer eher flacheren und mit Norddeitschland zu vergleichenden Landschaft zeigten. Trozdem war es absolut faszinierend durch so weite Landstriche zu fahren. Am beeindruckendsten fand ich den Blick, den man von der Leicht erhöhten Position aus hatte. Man konnte kilometerweit gucken. So kamen wir dann nach Manitoba, was den übergang von der steppenähnlichen Landschaft Saskatchewans zu der leichten Hügellandschaft Otarios schuf. In Ontario konnte man dann diese für Kanada berühmten und aus Reiseführern bekannten unzähligen kleinen Seen beobachten, welche in einer wunderbaren Idülle von Nadelwäldern umgeben waren. Dieses Land schien schir unendlich groß zu sein, als wir jedoch um 12 Uhr Mitternacht unseres dritten Tages in Toronto ankamen und wir schweren Herzens abschied sagen mussten. Wir wären beide zu gerne wieder die selbe strecke zurück nach Vancouver gefahren, einfach um es alles von der anderen Seite zu sehen. Diese drei Tage waren ich möchte sagen, die besten in meinem Leben. Sie haben die Wochen in Vancouver um einiges getoppt, aber auf andere Art und Weise. Ich kann die Erlebnisse dieser Zugfahrt hier im Blog nicht wiedergeben. Ich kann jedem, der gerne perfekten Service, bestes Essen, großartige Landschaft und einfach drei Perfekte und in Erinnerung bleibende Tage verleben will, diesen Trip zu machen, ganz egal, was es kostet. Die Erlebnisse sind unbezahlbar!
Euer Sven
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